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Gedichte


Häufiger Traum

Ich stehe auf,
will in die Stadt,
wie jeden Tag.
Es ist wieder mal
zu spät.

Ein Zug
hält
irgendwo.
Ich renne,
manchmal
erreiche ich ihn.

Er ist offen,
die Wagen
aus rohen,
splittrigem Holz.
Wind weht.
Ich klammere
mich fest.

Wenn ich
aussteige,
ist die Zeit
rückwärts
gedreht,
oder vorwärts...
Wer weiß das schon?

Alles ist fremd.
Ich habe
kein Haus mehr,
niemand hat eins...

Überall,
ameisenhaft,
bauen sie,
ragen Gerüste
und Kräne.

Der Himmel ist
schmutzig gelb.
Es riecht rauchig.
Nicht mal
Gras gibt es mehr.

Maschinen brüllen.
Staub wandert.
Was mag
da werden?
Ist das noch
die Erde?
Oder eine
fremde,
feindliche Welt?

Ich weiß nur:
Ich kann nicht
entfliehen.

Anneliese Wipperling 1990