Themen

Gedichte


Gläsernes Gefängnis

Ein Mensch
sitzt im Glashaus,
fängt Fliegen und Spinnen,
kein Windhauch weht
und die Luft ist gefiltert.

Umgeben von Schatten,
die dienern und schmeicheln,
umgeben von Glas...
es absorbiert die Gedanken.

Er ist einsam,
unglücklich,
zornig.
Er fängt Fliegen
oder Spinnen.

Ein Mensch,
zu dumm,
um das Glas zu zerschlagen.
Ein Elender,
zu feige,
den wilden Wind zu atmen.

Einer,
den die andern erhöht
und erniedrigt haben.
Ein Künstler
mit verdorrten Seele.
Ein Staatsmann
mit amputierten Mißtrauen.
Ein Wissenschaftler,
aufgebläht von der eigenen Wichtigkeit.

Ein Mensch,
eingesperrt
in die eigenen Mängel.

Anneliese Wipperling 1970