Buchtipps

Heribert Prantl:
Rot-Grün - Eine erste Bilanz


Auszug:

»Süß ist der Krieg für die, die ihn nicht erfahren haben.« - Das Wort hat der Humanist Erasmus von Rotterdam vor fünfhundert Jahren den Bellizisten seiner Zeit entgegengeschleudert. Es wäre wohl unfair, diesen Satz dem deutschen Bundeskanzler, seinem Außen- und seinem Verteidigungsminister entgegenzuhalten. Niemand von ihnen schrie Hurra, alle waren in diesen Kriegseinsatz im Kosovo voller Bedenken hineingegangen; sie hielten ihn aber für einen gerechten, für einen aus humanitären Gründen gebotenen Krieg.
Erasmus hätte sie wohl anders gefragt: Wie human ist eine humanitäre Intervention mit inhumanen Mitteln? Und er hätte vielleicht die Nato-Länder zur Selbstprüfung aufgefordert und daran erinnert, daß auch moralisch begründete Interventionen keine saubere Geschichte haben: In Vietnam haben die USA angeblich die »Freiheit« verteidigt, in Grenada wurden nicht-existierende Geiseln befreit.
Der Pazifismus ist keine politische Kraft mehr in Deutschland; er ist auf der politischen Bühne nicht einmal mehr als Statist präsent. Daß das so ist, liegt auch an den Grünen: Sie haben den Pazifismus sogar aus ihrem Souffleurkasten zu vertreiben versucht. Fragen mit pazifistischem Grundansatz gelten in den grünen Bonner Fraktionssitzungen als degoutant. Joschka Fischer erschlägt sie gern mit der Bemerkung, da melde sich der »PDS-Flügel« seiner Partei zu Wort. So wird der Pazifismus diskreditiert, so wird er vertrieben aus einer Partei, die ihm lange Heimat gegeben hat.