Buchtipps

Jutta Ditfurth:
Das waren die Grünen - Abschied von einer Hoffnung


Auszug:

In Fischers Männerbund herrschte die nackte Gewalt. Notfalls verdrosch Fischer auch die eigenen Leute. Noch in den achtziger und den neunziger Jahren kokettierte er mit seiner »Lust am Schlagen«. Ende 1985, da war Fischer ein Politiker an der Leine des Spiegel, gestand er dem Blatt, daß er selbst im engsten Realokreis häufig daran gedacht habe, Probleme mit der Faust zu lösen: »Dann stand die Gewaltfrage im Raum.«1891998, ein halbes Jahr bevor er Außenminister wurde, sprach Fischer von sich in der dritten Person und prahlte mit Blick auf Jürgen Trittin: »Der Frankfurter Alt-Sponti Joschka Fischer hätte jetzt natürlich Lust, die Ärmel hochzukrempeln und auszuteilen. Einem gepflegten Krach gehe ich ungern aus dem Weg.« Heute muß Joseph Fischer Abhängige nicht mehr mit nackten Fäusten verprügeln. Er hat Zugriff auf gewaltigeres Spielzeug: ein ganzes Arsenal von NATO-Waffen.
Manchmal scheint es, als könne er sich nicht ganz entscheiden, wie er sein Leben dargestellt haben will. Als er beschlossen hatte, daß er Außenminister werden wollte, bebilderteerseine Biographie neu. Er versuchte gleichsam, sich dem großbürgerlichen Milieu des Auswärtigen Amtes im voraus anzupassen.
Bis dahin malte er gern pathetische Gemälde von sich, röhrenden Hirschen nicht unähnlich. Wie Rocky aus dem höllischen feuchten Dschungel schien der kleine Joseph sich aus der schwäbisch-dörflichen Enge befreit zu haben, hatte gern mit den harten Lebensverhältnissen seines Vaters, des Metzgers, kokettiert, den rauhen »streetfighter« gespielt, sich als »Kind armer Leute« dargestellt. Jetzt begann er sich, mit Hilfe seiner Image-Protokollantin Krause-Burger, als Nachfahren einer »richtigen Metzger-Dynastie« hinzustellen. Der künftige Außenminister entdeckte in seiner Familiengeschichte bürgerliche, ja beinahe großbürgerliche Ahnen, die in einem »ansehnlichen Gehöft« vor Budapest gelebt hatten, »Kindermädchen und Waschfrau« stets »zu Diensten«.
»Jetzt ist«, spottete Jürgen Leinemann im Spiegel, »in historisch umwölkter Düsternis, große Oper angesagt. Joschka Fischer sieht sich als Teil der großen europäischen Tragödie der Neuzeit.« Ein »öffentlicher Persönlichkeits-Umbau«, bei dem man »die allmähliche Selbstverfertigung des Bürgers Fischer beim Über-sich-Reden« beobachten könne.